eindeutig ein mysterium. nun gut. rachel, eine frisch-fröhliche latent pummlige dame aus dem norden englands (was dazu führt, daß ich auch nach 4 monaten des zusammenlebens aus verständnisgründen immer noch nachfragen muß, wenn sie etwas sagt) hat eine wohnung im homonormativen teils brightons, in dem sie ein zimmer in der größe eines begehbaren kleiderschrankes mit kleinem kamin und nicht schließendem schiebefenster für eine verhältnismäßig beinahe erschwingliche summe geld an mich vermietet. die wohnung schimmelt nicht, die heizung funktioniert, in den 4 monaten, in denen ich bei rachel logiert habe, war der boiler zweimal und der herd einmal kaputt, das ist ein recht guter schnitt und für brightons studentische wohnoptionen eigentlich schon a touch of luxus. außer rachel wohnen in dieser wohnung eine menge objekte, zeugs und ein fernseher.
rachel hat kunst studiert. dementsprechend hängen überall bilder von ihr. die sind ganz ok. aufgrund dieser tatsache hat rachel aufgehört, bilder zu malen. stattdessen arbeitet sie jetzt in der altenpflege. und würde demnächst gerne physiotherapeutin werden. bevor sie physiotherapeutin wird, kriegt sie aber erstmal ein kind. das war eine information, die sie mir schon zur wohnungsbesichtigung hatte zukommen lassen - um zu erklären, warum mein aufenthalt bei ihr auf 4 monate begrenzt sein wird: danach kommt das kind, und mit dem kind kommt der rausschmiß aus der wohnung, weil der vermieter ihr nicht gestattet, mit kind die wohnung zu bewohnen.
mir hatte das ja als information alles gereicht. andere menschen fragten dann aber gelegentlich, was das mit dem kind auf sich hätte, vielmehr noch mit dem vater, und wann das kind denn genau kommen würde. kurzzeitig schämte ich mich für meine ignoranz, tat mich aber ähnlich schwer, derartig ideologisch geladene fragen direkt an rachel zu stellen. mußte ich auch nicht. alles was ich tun mußte, war mit rachel und ihren kumpels ins pub am ende der straße zu gehen und cocktails zu trinken. da schneite nämlich der vater, oder, wie in coming-of-age-episoden deutscher jugendliteratur gerne verwendet, der 'erzeuger' vorbei.
ich saß strategisch günstig mit blick auf die bar, die bar hatte strategisch günstig eine spiegelfläche hinter sich, welche der erzeuger strategisch nutzte, um mir direkt in die augen zu schauen, während er dem hübschen blonden bimbo aus dem mantel half. rachel war in wilder aufruhr, muß ihn wohl beim reingehen bemerkt haben, nun gut, er ist nicht unbedingt zu übersehen, aber dazu später, und wollte also von mir wissen, was er so macht. ich erklärte ihr, daß er mich im hinter-der-bar-spiegel beobachtet und einem blonden bimbo aus dem mantel hilft. rachel war entzückt von meiner wortwahl; die frage nach dem eigentlichen hübschheitsgrad der frau fand ich dann jedoch schwer zu beantworten, gerade gegenüber einer schwangeren frau, die gerade hektisch an einem alkoholfreien mojito schlürfte und der ich dort schon vieles zutraute - und die den contest leider verloren hätte. wiedemauchsei. der erzeuger begab sich dann später auf die straße, um eine zu rauchen, und positionierte sich gegenüber dem fenster, hinter dem unser tisch stand - mit perfektem blick auf rachels kumpels. nachdem er dann zur toilette gegangen war, mußten wir fluchtartig den laden verlassen.
am nächsten morgen ließ ich mir das dann mal von rachel erklären. also, sie hatte was mit ihm, ne. und dann war das vorbei, weil der typ nicht so der bringer war. allet klar. und dann stellte sie aber fest, daß sie schwanger ist. und dann stellte sie aber fest, daß sie mitte dreißig ist und warum eigentlich nicht. und dann kommt die bösartigste unterstellung von allem, aber eigentlich ist das keine unterstellung, ach, wie soll ich sagen...sie stellte halt außerdem fest, daß das kind ganz niedlich werden könnte. dazu gleich.
sie meinte halt, daß sie das dem typen erst gar nicht erzählen wollte. dann ist ihr aber eingefallen, daß er ja ein hostel am ende der straße hat, und daß es in ein paar monaten vielleicht etwas offensichtlich sein könnte, daß sie schwanger ist. also hat sie ihm das erzählt, woraufhin der übliche terz losging...er: mach es weg! sie: ich denke nicht dran! - 1 monat schweigen - er: ich habs mir überlegt, ich werde dich unterstützen, mich um alles kümmern, laß uns heiraten. sie: ich denke nicht dran! seitdem: seltsames stalkverhalten im pub am ende der straße.
letztens sprachen rachel und ich über ihr baby; es wird ein mädchen. also eigentlich sprach sie. nämlich darüber, wie sie das mit den afrohaaren anstellen soll, sie hofft ja sehr, daß es auch wirklich afrohaare werden. weil so wirklich lang wachsen lassen kann man die ja nicht, weil das kämmen dann eine tortur wird. aber süß wär das ja schon. und flechten wär ja noch viel süßer, aber das ist so teuer. und dann vielleicht einfach ganz kurz, das ist vermutlich am praktischsten.
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