gerade sitze ich in der bib. also nicht innendrin. im social hub im vorraum, wo man neben mit 1,05 pfund BEZAHLBAREN und FILTERkaffee verschiedene maynonaisebasierte 'fillings' auf baguette oder kartoffel kriegen kann. für bezahlbare 2.75 - 2,95, die price ranges sind liebevoll in 'paperback', 'hardback', 'first edition' eingeteilt, man soll ja über all dem socialising und kaffeetrinken nicht vergessen, wo man sich befindet.
also, in der bib. anderthalb stunden bevor ich die 2 seiten über forest management im zuge von carbon offsetting gelesen haben muß - warum ich so früh hier bin, weiß ich auch nicht. richtig, weil ich mich ja gerade davor drücke, der verrückten rachel zu sagen, daß ich ausziehe. aber das ist ja nun eine ganz andere geschichte.
jedenfalls hat es sich mal wieder gelohnt, früh zu sein. gerade sitze ich mit meinem filterkaffee (in porzellan, nicht pappe.) also im social hub und werde zeugin eines ganz wundervollen schauspiels. aber kurz noch ein exkurs zum filterkaffee: den gibts hier nicht so oft. wie auch auf dem kontinent, hat little brighton auf diese großen schönen maschinen umgestellt, die es in italien seit hunderten von jahren und überall anders seit des einzuges des starbucks oder anderer derivate gibt. bekanntermaßen kommt da ganz leckerer kaffee raus. not so fast - SO NICHT HIER. es ist mir ein rätsel. sie verwenden bohnen, wo & wie die geröstet werden ist glaube ich im zuge der globalisierung auch uninteressant, da KANN es einfach keine fundamentalen unterschiede mehr geben. wiedemauchsei. bohnen, frisch gemalen, hochdruck, wasser, zack kaffee fertig, ohne milch heißt der hier americano, gott weiß warum, und plörre. absolut schlechter kaffee. überall das gleiche spielchen. und dann noch 1,65 aufm campus für das pappbecherchen voll kaffeefarbenem ekel. vielleicht liegt es am wasser? die arbeitsschritte unterscheiden sich in keinster weise von der bar unten in meinem condo in der via principe eugenio, aber alles andere...ach ich mag nicht drüber nachdenken, es würde mir den erträglichen filterkaffee verargen.
zurück zu warum es sich gelohnt hat, früh zu sein: ein teil des social hubs ist abgesperrt. sorgfältig mit absperrband, ein paar barhockern, und diesen lustigen 'caution wet floor' -schildern, die ja inzwischen in deutschland auch anderswo als nur auf flughäfen zu finden sind und wo das männchen gleichsam im dreieck breakdanced. als ich vor einer halben stunde gekommen bin, waren sie gerade fertig mit der verbarrikadierung. in der mitte ihrer absperrung: ein eimerchen, ein mop, diverse sprühflaschen mit höchstwahrscheinlich desinfizierendem reinigungsmittel, weil alle reinigungsmittel hier gleich mit desinfizieren ('coughes and sneezes carry diseases' ...oder war es 'spread'? und das NHS ist ja auch eine GANZ andere geschichte) und eine maschine. könnte poliermaschine, könnte auch schleifmaschine sein. randnotiz: der fußboden des social hubs sieht bei näherem hinsehen nicht nach klicklaminat, sondern sorgfältig gesägten dielen aus..ich mag mich irren.
wer sind sie innerhalb der absperrung? 2 männer mittleren alters, eine frau mittleren alters. die männer sprühen manchmal ein bißchen desinfektionsmittel aufs holz. die frau supervisiert. manchmal moppen die männer auch ein bißchen. es riecht zunehmends nach desinfektionmittelsprühzeugs; ich habe angst, davon nasenbluten zu kriegen. größtenteils starren alle 3 auf die schleif/poliermaschine. ich hatte einen kurzen flashback zu de denkwürdigen tag in maastricht, als wir im hof der uni-bibliothek bei nacht & nebel bens ausgedienten weihnachtsbaum (den er zum wichteln zwecks reuse-policy im topf geschenkt bekommen hatte) in die ohnehin nicht bepflanzeten blumenbeete setzten. einige wochen später hatte diesen weihnachtsbaum auch das absperrbandschicksal ereilt, und drei menschen standen kinnrubbelnd drum herum. wir konnten ihr gespräch nicht mithören, stellten es uns aber folgendermaßen vor: 'kijk, een kerstboom! (da schau an, ein weihnachtsbaum). 'ja hoor'. (aber echt mal). 'wat gaan wij doen?' (und nu?) 'DIE MOET VERWIJDERD WORDEN!! (der muß entfernt werden!) 'gaan wij het aan jo ritzen vertellen!' (laßt uns mit jo ritzen reden. jo ritzen war der damalige uni-präsident. und verwijderd unser damaliges lieblingswort, weil prinzipiell alles immer verwijderd wurde, vor allen dingen fahrräder). der baum stand dann noch ein paar tage, bis ihn endgültig das absperrbandschicksal ereilte und er GEFÄLLT wurde. wir hatten ihn in ein mit kinderschaufeln gegrabenes loch gepflanzt.
also daran erinnerten mich die 3 spezies im social hub. die gleiche motivationslose pose, das gleiche erstaunen über etwas, nun ja, sagen wir mal neues. gerade kam die dame, die die schrecklichen americanos zubereitet, und fragte kurz: hya, whatyoudoin?
die supervisionfrau antwortete:
we're testing test.
alles, was ich wissen mußte.
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